Sonntag, 21. Januar 2018

Von teuflischen Glaubenssätzen…

Ich habe selten soviel geistigen Unfug gelesen, gehört und gesehen wie in letzter Zeit – auf YouTube, auf Facebook und auf diversen dort verlinkten, sektenartig anmutenden Internetseiten.

„Zurück zur Natur!“ schreien sie alle lauthals.

Alles, was die letzten ca. 1.000 Jahre erfunden bzw. entwickelt wurde, ist böse und schlecht für uns. Der Mensch müsse sich wieder roh aus der Wildnis ernähren, weil gekochte Nahrung ja so ungesund sei und der menschliche Körper damit gar nicht optimal umgehen könne. [1] 
Baden solle man zur Abhärtung in kaltem Wasser, ohne Schuhwerk müsse man durch die Gegend laufen und ohne Bett auf dem Boden schlafen.
Zugleich aber nahezu zwanghaft diverse (industriell gefertigte!) Nahrungsergänzungsmittelchen, Heil-Öle und umkehrosmosegefiltertes Wasser aus der ollen Leitung zu sich nehmen.
Die heutige Gesellschaft, die Arbeitswelt und den schnöden Konsum verteufeln, nur bitte nicht bei dem guten MCT-Öl, Chlorella-Tabs und dem Destilliergerät sparen.
(Gibt es eigentlich auch Rohköstler ohne Strom? Ohne Mixer und Dörrgerät?)

Eindeutige und fundierte Argumente dringen bereits zu vielen nicht mehr durch. 
Irgendein selbst ernannter „Pabst“ fantasiert etwas zusammen, bildet sich seinen eigenen Gedankenpalast, findet in diesem Konstrukt für alles eine fadenscheinige Erklärung, um nur ja keine Selbstverantwortung für seine eigenen schlechten Entscheidungen übernehmen zu müssen, würzt das ganze mit ein paar herrlich duftenden Stuhlproben und gründet darauf seine Geschäftsidee.

Das wäre nun alles noch nicht so schlimm, wenn er damit (ob unbewusst oder bewusst) nicht in Kauf nehmen würde, dass andere Leute sich dadurch ernsthaft gesundheitlich schaden können.
Warum glauben das aber so viele Menschen? 
Wie kommt es, dass jemand ohne entsprechenden Bildungshintergrund sich einfach hinstellen kann und die abwegigsten Dinge erfindet, wofür es keinerlei logische Anhaltspunkte, keine Beweise, keine sachlichen Quellen gibt - einzig und allein Behauptungen, Theorien oder äußerst fragwürdige Experimente ohne glaubwürdige Ergebnisse – und trotzdem glauben es so viele, ohne zu zweifeln?!

Woran mag das liegen? Ich habe mir diese Frage in letzter Zeit oft gestellt.
Schließlich glaubt doch auch keiner, dass ein Magier wirklich zaubern kann, obwohl er es behauptet und sogar auf der Bühne vormacht.

Vielleicht liegt es ja daran, dass die Menschen einfach zwanghaft etwas glauben WOLLEN. Und in Zeiten, in denen die verschiedenen Religionen stark in den Hintergrund gerückt sind, könnte es da sein, dass ihnen etwas NEUES zum glauben, zum an-etwas-festhalten fehlt? 
Hurra, dann haben wir ja jetzt einen gefunden… habemus papam.





[1] Die Entdeckung sowie Nutzung des Feuers durch den Menschen liegt nach dem aktuellen Kenntnisstand übrigens bereits 1 Million Jahre zurück.

1 Kommentar:

  1. Nachtrag:
    Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich diesen Beitrag absichtlich etwas überspitzt formuliert habe.
    Dass in unserer heutigen Zeit vieles nicht optimal läuft, steht auch für mich außer Frage. Jedoch halte ich es für den falschen Weg, dieser Gesellschaft einfach beleidigt den Rücken zuzukehren und nur noch stur sein "eigenes Ding" zu machen.
    Damit machen wir nichts besser, sondern verlieren uns irgendwann selbst.

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